Spiritualität und Literatur

Ein Plädoyer

Der Begriff Spiritualität wird heutzutage selten öffentlich ausgesprochen. Schon gar nicht von Schriftstellern, Künstlern und Intellektuellen. Woran liegt das? Hat die Aufklärung vielleicht das Kind mit dem Bade ausgeschüttet? Uns zwar von Doktrin und verlogener Moral befreit, doch ein spirituelles Vakuum hinterlassen?

Sicher ist, dass die Grenzen zwischen Religion und Spiritualität lange diffus und verschwommen waren. Ebenso erwiesen ist aber auch, dass der Mensch ein sinnhaftes Wesen ist, dass eine blühende Zivilisation, dass ein sinnerfülltes Leben ohne höhere Werte unmöglich ist.

Im Folgenden breche ich eine Lanze für die Rehabilitierung des Spirituellen. Spiritualität, von lateinisch spiritus, heißt letztlich nichts anderes als Hinwendung zum Geistigen. Dabei geht das spirituelle Weltbild weit über das materielle hinaus. Spiritualität beinhaltet mehr als Reduktion auf Materie, Körper, Überlebenskampf und all die zahlreichen Formen von Macht, Gier und Egoismus. Der spirituelle Mensch erfährt sich als ein zeitloses, universelles, geistiges Wesen. Ein Wesen, das einen Körper bewohnt, jedoch keine Maschine ist.

Auch Literatur ist nichts Materielles, sondern etwas Geistiges, Ideelles. Daher sollte sich Literatur auch mit der Spiritualität des Menschen befassen. Sie muss das Religiöse überwinden, ohne das Sinnstiftende aufzugeben. Sie muss die Sprache neu erfinden und von altem Krempel befreien. Sie muss in die Tiefen des Menschseins und des Lebens vordringen, Hand in Hand mit Philosophie, Kunst und Wissenschaft ...


 

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